Nachklapp

   „wir tun nix,wir wollen nur spielen“

Benefizkonzert mit Botschaft

Im Gedenken an den Beginn der Euthanasiemorde vor 75 Jahren gestalten Landespolizeiorchester und Brenz-Band gemeinsam ein Benefizkonzert auf der Karlshöhe.

Zum ersten Mal stellen sie gemeinsam ein Benefizkonzert auf die Beine, das Landespolizeiorchester und die Brenz-Band. Die Diakoniekirche auf der Karlshöhe in Ludwigsburg platzte fast aus allen Nähten am Sonntagabend. Ins Publikum hatten sich auch prominente Gäste wie der Unternehmer Reinhold Würth mit Gattin gemischt. Eva Luise Köhler und Innenminister Reinhold Gall sprachen Grußworte.

Vor 75 Jahren begann die Ära der sogenannten Euthanasiemorde. Damit dieses Verbrechen nicht in Vergessenheit gerät, hatten sich das Landespolizeiorchester und die Brenz-Band zusammengetan, als Zeichen dafür, wie heute der Umgang zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen gepflegt wird. Wegweisend gab es gleich am Anfang ein musikalisches Zitat, das jeder Musikbegeisterte kennt. „With a litte help from my friends“, von den Beatles einst komponiert und später von Joe Cocker aufgegriffen. Der Text sagt alles: Viele Menschen mit Behinderungen waren gekommen, teils im Rollstuhl, teils unterstützt und begleitet von Angehörigen oder Freunden.

Ein Konzerterlebnis erster Güte schenkte das Landespolizeiorchester mit seiner spritzigen, sehr präzisen Spielweise. Wendig sprang das Orchester zwischen Mozarts Zauberflöte und der Glenn Miller Stroy in die Bresche. Zu Jazz und Wiener Klassik erklangen die Beatles mit einem tollen Tribute, das sich „the fabfour Spirit“ nennt. Immer wieder bereicherten Solisten an verschiedenen Instrumenten den Klangfarbenreichtum. Rund 300 Zuhörer konnten sich zurücklehnen und die unsterblichen Beatles-Songs genießen.

Die Kirchentüren nach draußen standen offen, so dass selbst die, denen das Kirchenschiff zu voll war, draußen den ungetrübten Hörgenuss hatten.

Nach der Pause setzte die Brenz-Band das Konzert mit Arrangements in Sachen Swing und Jazz fort, die Bandgründer Horst Tögel herausgesucht hatte. „Für uns war das teils ein Heimspiel, weil manche hier auf der Karlshöhe wohnen“, verriet Brenz-Band-Mitglied Jürgen Dietl. Schnell war das Publikum in Fahrt und ließ begeistert den Beifall rauschen, wohl wissend, dass dieses musikalische Erlebnis Seltenheitswert hat.

Bietigheimer Zeitung SUSANNE YVETTE